Sonntag, 28. Januar 2018

Winterwunderland


Die Natur, tiefgefroren
Doch mir frieren
nicht die Ohren.
Ich sitze im Zug,
krieg nicht genug
vom ostböhmischen Winterwunderland.


Im Abteil, warm und trocken,
kann ich hocken,
in Wollsocken.
Ich sitze im Zug,
krieg nicht genug
vom ostböhmischen Winterwunderland.


Sieh hinaus
durch die Scheibe!
Augenschmaus!
Augenweide!
Ich sitze im Zug,
krieg nicht genug
vom ostböhmischen Winterwunderland.


Samstag, 27. Januar 2018

Schwimmhallen in Tschechien

Wie schwimmt es sich so in Tschechien, wenn es zu kalt wird, um draußen zu baden? Ganz gut eigentlich.
In vielen Orten gibt es nette, kleine Schwimmhallen, wo man für wenig Geld (meist unter 4 Euro) ins Wasser darf.


Grundsätzlich sind viele Schwimmhallen schon etwas älter, aber natürlich nicht alle.


Es gibt einige Dinge, die beim Schwimmen etwas anders als in Deutschland gehandhabt werden.

1. Meistens darf man für eine Stunde und 20 Minuten rein. Die 20 Minuten sind zum Umziehen. Dass man diese 20 Minuten hat, erfährt man aber nur, wenn man das Kleingedruckte auf dem Schild liest.

2. Die Schuhe werden am Eingang ausgezogen und in eine Plastiktüte gesteckt, die mit in den Spind gestellt wird.

3. Wenn es sich um eine ältere Schwimmhalle handelt, gibt es keine Umkleidekabinen, nur uralte Schränke aus Holz, deren Türen ein kräftiger Mann wahrscheinlich mit einem einzigen Ruck herausreißen kann.


4. Meistens ist eine kleine Sauna dabei, mehr dazu hier.

6. In der Mitte des Bildes befindet sich im Becken ein Rondell aus Stahl. Solch ein Ding steht in so gut wie jeder tschechischen Schwimmhalle. Doch welchen Zweck hat es?
Man braucht am besten mindestens zwei Leute, die darin auf- und abschaukeln. Dadurch erzeugen sie Wellen. Die schwappen oft sogar über den Rand. Praktisch: So spart man sich den Strom und den Platz für eine Wellenmaschine.


7. Die Wasserrutschen sehen meist so aus und wirken oft älter als in Deutschland.
 

Einige haben schmerzhafte Kanten, deswegen kann man sich solch eine Matte unterlegen.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Die Prager Metro

Die einzige U-Bahn Tschechiens verläuft unter den Straßen von Prag und nennt sich wie in Paris Metro (mit kurzem E und kurzem O).
Die drei Linien heißen A, B und C und haben verschiedene Farben - sehr übersichtlich. So kommt man schnell und preiswert von mit A und B von A nach B.
Und was in London das charakteristische Mind the gap, please ist, wird in Prag etwas länger: Ukončete prosím nástup a výstup, dveře se zavírají. ("Beenden Sie bitte den Ein- und Ausstieg, die Türen schließen sich.")


Lange Rolltreppen, auf denen die linke Seite stets für Überholer freizuhalten ist, führen hinab in die Stationen. Bei manchen sieht man das andere Ende der Rolltreppe nicht, so beeindruckend lang sind die. Weniger beeindruckend ist jedoch der Geruch von Erbrochenem.


Wer mit der Metro fahren will, muss jedoch zunächst eine schwere Hürde nehmen: Die Fahrkartenautomaten. Es handelt sich um uralte, störrische Geräte. Im Zuge einer Erneuerung des Tarifsystems vor über fünf Jahren wurde auf jeden Automaten lieblos ein bunter Aufkleber geklatscht. Wer nun seine richtige Fahrkarte finden will, muss zuerst auf die Tabelle auf dem Aufkleber gucken - und das dann mit den uralten Pappschildern neben den Knöpfen abgleichen.
Falls man da mal auf den falschen Knopf drückt und den Kauf abbrechen möchte, weigert sich der Automat gerne mal, die Münzen wieder auszuspucken. Im Zweifelsfall hilft hier ein beherzter Tritt. (Wirklich, das funktioniert.)


Kreative Adjektive

Jede Sprache hat so ihre Besonderheiten. Im Deutschen gibt es so wunderschöne lange zusammengesetzte Substantive wie zum Beispiel Rindfleischettiketierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz. Auf Tschechisch geht das nicht. Deshalb nimmt man anstelle von zusammengesetzten Substantiven Adjektive. So gut wie jedes Wort lässt sich "adjektivieren", und auch sehr viele Namen.
Diese knusprigen Dinger heißen auf Deutsch beispielsweise Kesselchips. In Tschechien werden daraus "Kesselige Kartoffelchen".
(Hinweis: Es ist in Ordnung, an dieser Stelle kurz zu lachen.)


Ein anderes Beispiel sind die Namen von Straßen und Haltestellen. Da braucht man dann nicht mal mehr ein dazugehöriges Substantiv. So gibt es in Prag zum Beispiel die Vltavská ("Moldauische" [Straße]) oder die Staroměstská ("Altstädtische" [Haltestelle]).

Schon lustig, was man alles herausfindet, wenn man die Sachen mal ganz wortwörtlich übersetzt. Darauf eine Tüte Kesseliger Kartoffelchen.

Politik: Der Präsident

Diesen Freitag und Samstag findet die finale Runde der Präsidentschaftswahl statt. Wer keine Ahnung von tschechischer Politik hat - nicht schlimm, hatte ich bis vor einigen Monaten auch nicht. Ich versuch es mal zu erklären.

Der tschechische Präsident hat zwar nicht so viel Macht wie der amerikanische, allerdings immer noch viel mehr als der deutsche Bundespräsident. Ungefähr so viel wie der österreichische Präsident vielleicht.

Früher wurde er vom Parlament gewählt, seit einigen Jahren ist das Volk dafür verantwortlich. Für diejenigen, die sich wünschen, der deutsche Bundespräsident würde auch direkt vom Volk gewählt, kann Tschechien leider eher als abschreckendes Beispiel dienen.

Der Präsident residiert auf der Prager Burg.


Deshalb lässt sich die Wahl auf Facebook mit coolen Sprüchen wie Koho na hrad? ("Wer soll auf die Burg?") oder Volební hra ("Das Spiel der Wahl") promoten - in der Hoffnung, dass sich mehr Menschen für Demokratie interessieren, wenn es nach Game of Thrones klingt.



Vor zwei Wochen war die erste Runde. Dabei traten insgesamt acht Kandidaten an. Auf Platz drei und vier landeten Michal Horáček und Pavel Fischer. Im Gegensatz zu den USA werden in der ersten Runde auch wirklich alle mehr oder weniger ernst genommen, statt dass sich alles nur auf zwei Kandidaten konzentriert. Das ist gut.
Viele Kandidaten sind oft sehr gut darin, sich von den Rechten abzugrenzen, indem sie etwa  in seiner Youtube-Werbung zu bedeutungsvoller klassischer Musik verkündet, ein Präsident müsse mutig sein und dürfe sich nicht vor den Medien fürchten und er würde gegen die rechte Regierung "hart, aber fair" spielen.
Aber was sie stattdessen für eigene Inhalte haben, das erschließt sich leider oft nicht: "Ich glaube an die Kraft der Tschechen." Aha.


Der amtierende tschechische Präsident ist Miloš Zeman. Es handelt sich um einen etwas... speziellen Präsidenten. Früher hat er sich mehr oder weniger willkürlich an einige Themen angehängt, von denen er sich Beliebtheit versprochen hat. So war er zum Beispiel für den EU-Beitritt Kroatien.
Seit sich der neue Rechtspopulismus in Europa ausbreitet, ist er auf diesen Zug aufgesprungen.
Ein ganz heikles Thema ist sein Gesundheitszustand. Es kursieren Nachrichten und Gerüchte, er sei Alkoholiker, da er zu einigen öffentlichen Auftritten in anscheinend angetrunkenem Zustand erschienen ist. Zeman leugnet das jedoch, ein bisschen Alkohol jeden Tag sei normal und gesund.

Unter anderem deswegen hat er eine ganz schlechte Meinung über die (Lügen)Presse. Er ist der einzige Präsidentschaftskandidat, der nicht in Fernsehdebatten auftritt, sondern einen Vertreter schickt. Sein Gegenkandidat Jiří Drahoš war davon so genervt, dass er einmal auch nicht persönlich in der Fernsehdebatte erschien, sondern einen Feigenbaum als Vertreter an seinen Platz stellte. Seine Gegner nutzten das aus und sagten, er sei als Politiker ja wirklich wie ein Feigenbaum, der ruhig und passiv in der Ecke steht und nichts macht.

Und dann, wenige Tage vor der Wahl, die Wende:
Zeman: Na gut, lass mal doch im Fernsehen debattieren. Aber nur zweimal!
Drahoš: Einverstanden, zwei scheint mir eine gute Anzahl zu sein. Können wir eins bei Česká Televize machen, dann darfst du den anderen Sender aussuchen.
Zeman: Oder nee, lass mal vier Duelle machen.
Drahoš: Aber du wolltest doch eben noch nur zwei machen... lass mal lieber bei zwei bleiben.
Zeman: Ha! Du traust dich nicht! Du hast Angst vor den Medien!

Jedenfalls kann niemand behaupten, der Wahlkampf wäre nicht unterhaltsam...

Während es also in den letzten Jahren in vielen Ländern hieß: "Hoffentlich gewinnt der verrückte Rechtspopulist nicht!", heißt es in Tschechien: "Hoffentlich gewinnt der verrückte Rechtspopulist nicht schon wieder!"

Für seine Wiederwahl wirbt Zeman mit nur einem einzigen Plakat: Zeman Nochmal 2018.


Seine Fans plakatieren: Stopp den Imigranten und Drahoš! Dieses Land gehört uns! Wählt Zeman!


In der ersten Runde der Wahl erreichte Zeman fast 40 Prozent der Stimmen. Als stärkste Kandidaten blieben er und Jiří Drahoš für die Stichwahl übrig. Viele hoffen, dass Zeman mit den 40 Prozent sein Maximum erreicht hat - denn alle, die nicht für ihn, sondern für einen der sieben anderen Kandidaten gestimmt haben, werden wohl auch in der zweiten Runde nicht für ihn stimmen.

Drahoš wirbt mit dem Slogan "Höflichkeit ist Stärke!", um sich von Zemans oft populistischen, beleidigenden Reden abzugrenzen. Er wirkt tatsächlich ausgesprochen seriös - neben dem abgehalfterten Zeman ist das aber wahrscheinlich auch nicht so schwer. Des weiteren haut er Dinge raus wie, dass er die EU super findet und Tschechien eventuell sogar in der Lage wäre, einige Flüchtlinge aufzunehmen. (Skandal!)
Für Jiří Drahoš spricht jedoch vor allem die Tatsache, dass er nicht Miloš Zeman ist.
Gerüchten, denen zufolge er nur Wasser trinkt und enthaltsam lebt, machen es ihm als Politiker in Tschechien allerdings nicht leicht...


Nachtrag: Zeman wurde mit etwa 51 Prozent wiedergewählt.

Montag, 22. Januar 2018

Einige meiner Lieblingswörter

starosta
Bürgermeister
Starost bedeutet Sorge. Also ist der Bürgermeister quasi ein hauptberuflich Besorgter.

chcípnout
krepieren
Umgangssprache, wird für Pflanzen und Tiere benutzt und klingt so beiläufig, abfällig und herzlos, dass es schon lustig ist

kdyžtak
"wenndann"
gegebenenfalls, wenn nötig, wenn möglich, mal sehen

Cotynato?
"Was[sagst]dudazu?"
Eine Frage eingeschmolzen zu einem einzigen schnellen Wort. Faszinierend. Provoziert geradezu ein überfordertes "Äh".

Lautmalerische Wörter:

sníh
Schnee

chumelit
schneien
umgangssprachlich
klingt genauso weich wie fallender Schnee

čurat
pinkeln

zip
Reißverschluss

prd
Pups

Sonntag, 21. Januar 2018

Das billige Land

In Tschechien bezahlt man mit tschechischen Kronen. Dort, wo viele Touristen unterwegs sind, wird auch oft der Euro akzeptiert (aber nur Scheine). Tschechien sollte der Eurozone eigentlich auch mal beitreten, aber das wurde immer wieder verschoben. Da nun die Rechtspopulisten an der Macht sind, ist das natürlich in weite Ferne gerückt.

Eine Krone sind cirka 4 Cent. Etwa 25 Kronen sind etwa 1 Euro. (Das schwankt immer mal wieder zwischen 20 und 30 Kronen.)


Das bedeutet: In Tschechien sieht auf den ersten Blick alles teuer aus, ist aber billig. Zumindest für Touristen. Weil das durchschnittliche Einkommen in Tschechien auch entsprechend geringer ist, haben die Tschechen selbst nichts von den billigen Preisen.

So hat mich ein Friseurbesuch nur umgerechnet drei Euro gekostet und eine Busfahrkarte vom Dorf in die nächste Stadt 50 Cent.
"Ja, teuer, oder?", bekam ich als Antwort, als ich begeistert davon erzählte.
(Fun Fact: Besagter Friseur versteckt sich in diesem komplett unauffälligen Gebäude.)


In einem tschechischen Glücksspielautomaten gibt es dann auch entsprechend wenig zu gewinnen: Die grünen Hunderter sind gerade einmal vier Euro wert, die orangen Zweihunderter acht Euro. Gut, das spielt eh keine Rolle, da solche Dinger in allen Automaten der Welt eh nicht rausfallen.